Seltene Arten in Basel

15.07.2012

Pro Specie Rara, die Organisation, die sich für seltene und gefährdete Kulturpflanzen und Nutztierarten einsetzt, verlegt ihren Hauptsitz in die Merian-Gärten nach Basel. Ein Zeichen für die neue Rolle der Städte.

Ist es nicht bemerkenswert, dass dise Organisation in eine Stadt –praktisch gesehen sogar in den Kanton, mit den Schweiz weit wenigsten Landwirtschaftsbetrieben zieht? Dieser Umzug ist Zeichen dafür, welch wichtige Rolle Städte beim Erhalt der natürlichen Vielfalt spielen. Die Merian Stiftung erkannte mit diesem Coup die Zeichen der Zeit: Städte sind die Motoren des Natur- und Artenschutzes. Nicht nur, dass das Bewusstsein für die Notwendigkeit zum Schutz unserer natürlichen Lebensgrundlagen oft aus den Städten kommt – auch Naturschutzideen wie beispielsweise die Gründung eines Nationalparks werden hier geboren.


Der Schweizer Natur geht es schlecht

Dabei müssen die Tatsachen nüchtern betrachtet werden: Der Biodiversität in der Schweiz geht es schlecht. Auch wenn nur 30% von uns es wahrhaben wollen. Für den schlechten Zustand und die Untätigkeit beim Schutz der natürlichen Vielfalt wurde die Schweiz sogar international gerügt. Die schönen Schweizer Berge und die Heidi-Landschaften sind trügerisch. Sie vernebeln die Tatsache, dass sich der Rückgang der Arten und Lebensräume in der Schweiz nur deshalb teilweise abgebremst  hat, weil nichts mehr vorhanden ist, das verloren gehen könnte. Unsere Wälder zum Beispiel sind  zwar schön aufgeräumte Baumgärten, doch mit einem natürlichen Wald, hat das nicht viel zu tun. Wer einmal einen Urwald in Europa gesehen hat, staunt ab der Schönheit dieser Wildnis.

Die Prognosen zeigen, dass eine Trendwende unter den heutigen Rahmenbedingungen nicht möglich ist. Das klingt für viele abstrakt, doch hat es direkte Auswirkungen auf unser Leben, wenn die Artenvielfalt weiter zurückgeht. Dass der/die durchschnittliche SchweizerIn nur noch sieben Gemüsesorten aufzählen kann, ist dabei nur ein Teil des Problems. Ein anderer wenn Nutzpflanzen wegen fehlender Bienenvölker nicht mehr bestäubt werden. Das könnte uns teuer zu stehen kommen.


Nur noch 7 Gemüsesorten

Oft beklagen sich die Bergkantone, dass Städter ihren Lebensraum zum Reservat verkommen lassen wollen. Eben erst bei der Zweitwohnungsinitiative oder beim Auftauchen eines Bären ging dieses Wehklagen wieder los. Wir sollen die Wölfe und Bären doch in der Stadt ansiedeln, hört man oft. Wer das sagt versteht nicht viel von der Natur. Wolf, Bär und Luchs werden sich in Basel nicht ansiedeln, weil sie hier nicht die günstigen Lebensbedingungen finden, da können weder die Städter noch die anderen etwas dafür. Aber die Umsetzung vieler Massnahmen für die Natur könnten ohne das Wissen, das Geld und den Willen aus den Städten, nicht umgesetzt werden. Und so geht Naturschutz Hand in Hand zwischen Stadt und Land.

Städte spielen eine wichtige Rolle beim Schutz der Natur. Wir exportieren diese Ideen aber nicht nur. Wir können auch selber etwas tun. Projekte der städtischen Landwirtschaft wie der Perlengarten auf der Erlenmatt oder der Gemeinschaftsgarten auf dem Landhof fassen in Basel Fuss und tragen dazu bei, dass die Biodiversität in den Städten teilweise höher ist, als anderswo. Und so ist es kein Zufall, dass pro Specie Rara aus dem Aargau nach Basel zieht.  Hoffen wir, dass bald wieder jede und jeder mehr als sieben Gemüsesorten kennt.