Die Ecopop-Initiative schützt die Natur nicht

05.06.2013

Oft stellt der Bundesrat einer Volksinitiative, die eine gute Idee aufbringt oder ein drängendes Thema bearbeitet, aber nicht optimal ausformuliert ist oder zu weit geht, einen Gegenvorschlag gegenüber. Die Ecopop-Initiative «Stopp der Überbevölkerung – zur Sicherung der natürlichen Lebensgrundlagen» lehnt er hingegen klar und deutlich ab und empfiehlt dies auch dem Volk. Auch ich lehne diese Initiative ab, denn sie hat mit Grün sein überhaupt nichts zu tun.

Die Initianten geben vor, um unsere Natur besorgt zu sein, und sie vor der Überbevölkerung schützen zu wollen. Immer mehr Leute in der Schweiz bräuchten immer mehr Boden, Wasser, Naherholungsräume und zerstörten diese. Deshalb müsse die Einwanderung auf 0,2 Prozent jährlich begrenzt werden. Weil einem diese Forderung als fremden- und vor allem menschenfeindlich ausgelegt werden könnte, und die Initianten nicht in diesen Topf geworfen werden wollen, verlangen sie, dass sich die Schweiz in der Entwicklungszusammenarbeit auf die Familienplanung konzentriert. Sie soll also den Afrikanern, Indern und Südamerikanern nahelegen, nicht so viele Kinder zu haben.

Die Angst vor der Überbevölkerung ist zwar verständlich. Wir lösen jedoch mit dieser Initiative und einer Begrenzung der Einwanderung kein einziges Umweltproblem. Die Umweltverschmutzung und Naturzerstörung sind nicht einfach auf das Bevölkerungswachstum zurückführbar – auch wenn das global gesehen ein Faktor ist. Schuld daran ist vielmehr, dass wir auf zu grossem Fuss leben und verschwenderisch mit unseren Ressourcen umgehen. Mobilität und Landverbrauch pro Person sind in den letzten Jahrzehnten fast doppelt so schnell gewachsen wie die Bevölkerung. Auch das Wirtschaftswachstum und der zunehmende Ressourcen- und Energieverbrauch schaden der Umwelt stärker, als die Menge Menschen allein. Wir lösen das Problem nicht, wenn wir die Leute nicht mehr ins Land lassen. Wir verschieben es nur. Das Umweltproblem können wir in der Schweiz ebenso wenig für uns alleine lösen und meinen, wenn es uns gut und denen rundum schlechter geht, betreffe uns das nicht. Ein nationalstaatliches Denken bringt uns auf längere Sicht nicht weiter, im Gegenteil: Je besser es uns geht und je schlechter den anderen, desto mehr Leute wollen in die Schweiz kommen.

Wir sind in der Schweiz – und in Basel als Standort internationaler Unternehmen speziell – auf die Zuwanderung von ausländischen Arbeitskräften angewiesen. Es ist deshalb Scheuklappenpolitik, mit einer nationalstaatlichen isolationistischen Lösung die Schweizer Umwelt schützen zu wollen.

Wer wirklich etwas tun will, um die Natur vor Übernutzung und Ausbeutung zu schützen, der sollte seinen ökologischen Fussabdruck reduzieren – also seinen Ressourcenverbrauch verkleinern. Weniger Wohnfläche pro Person, Reduktion der Zersiedlung, intelligente Bodenpolitik oder weniger, dafür umweltfreundliche Mobilität sind essenzielle Faktoren. Keine Verschwendung von Energie und Ressourcen ist ein weiterer Punkt, wo jede und jeder Einzelne etwas tun kann.

Erschienen in der bz Basel am 5.6.2013