KOPENHAGEN LIVE

15.12.2009

Zurück aus Kopenhagen, voller Eindrücke und Erlebnisse…

Freitag, Datum 10:20h

Ankunft. Wir schliessen das Gepäck ein und machen uns auf eine erste Erkundungstour. Kaum aus dem Bahnhof raus, merken wir: hier wohnen nur Polizisten. Überall stehen und marschieren sie, auch das Militär. Nach 10 Mintuen die erste Festnahme neben uns. Zwei Japaner (oder so, genaue Herkunft nicht eruierbar) in Arktis-Montur mit Helm, Stirnlampe, Daunenkleider, Steigeisen und Eispickel werden völlig verdattert von der Polizei mitgenommen. Könnte ja sein, dass sie was planen…

An der nächsten Strassenecke Trommeln und Johlen, man sieht aber nichts, weil die Polizei die Strasse absperrt. Es müssen etwa 30 mit Trommeln und Pfeifen bewaffnete Demonstranten sein. Vielleicht wurden sie wegen Überschreitung der Lärmemissionsgrenze eingekesselt…man weiss es nicht so genau.

Wir trainieren uns innerhalb von wenigen Stunden auf das Erkennen von Zivilpolizisten. Schuhe und Knopf im Ohr sind die deutlichsten Merkmale, dazu etwa zwei Meter gross und doppelt so schwer wie ich. Wir trinken neben ihnen Kaffee, sitzen neben ihnen auf der Bank, laufen neben ihnen durch die Strassen….überall.

Wir kommen nach Hopenhagen, ein Platz, der aussieht wie wenn Herbstmesse wäre. Hier präsentieren sich die Grossen….SIEMENS und Coca Cola sponsern und plären ihr grosses Engagement im Klimaschutz heraus. Wir wollen Taten sehen, keine Werbekampagnen!

Nachmittag: Besuch der Meerjunfrau von Kopenhagen. Daneben eine neue Installation zum Klimagipfel: Justitia als dicke Frau sitzt auf den Schultern eines abgemagerten Afrikaners. “Survival of the fattest” heisst die Figur. Justitia würde alles tun, um den Afrikaner von seiner Bürde zu befreien…”except stepping away from his back”.

Abend

Wir gehen ins Klimaforum, dort haben sich die NGOs eingerichtet. Es gibt Ausstellungen, Talks, etc. Anschliessend an ein sensationelles Konzert von Ojos de Brujos treffen wir unsere Gruppe und sind nun offiziell Teil der Friends of the Earth Switzerland (Pro Natura). Fahrt an den geheimen Ort, wo wir übernachten. Sagen dürfen wir’s niemandem, damit das Schulhaus nicht besetzt wird von anderen Gruppierungen.


Samstag, Datum 06:00h

Tagwache und Abfahrt in die Stadt. Wir treffen alle anderen Friends und machen eine grosse Welle durch Kopenhagen. “What do we want? Climate justice! When do we want it? Now!”. Alles verläuft friedlich, die Polizei ist kaum präsent. Um 12h treffen wir vor dem Parlamentsgebäude ein, wo nach langen Reden die grosse Demonstration startet. Vorher muss ich noch koreanischen Journis Auskunft geben, ob die Klimauhr jetzt auf low oder high risk steht. Die Antwort ist klar: very high, act now!

100′000 Leute marschieren dann etwa dreieinhalb Stunden durch Kopenhagen bis vors Bella Center, wo die Konferenz stattfindet. Die Kreativität der Demonstration ist umwerfend; von StaatschefInnen als Marionetten (Greenpeace) über die Such nach einem Arzt für die Weltkugel bis zu Schneemännern und brennenden Pandabären ist alles zu finden. Es ist super, wenn auch kalt und lang…aber daran ist nicht zu denken, denn das Anliegen ist klar: ein Abkommen, das Klimagerechtigkeit schafft und echte Massnahmen gegen die Erwärmung unseres Planeten ergreift. Einmal müssen wir abbiegen, dort hat die Polizei offenbar mehrere hundert Demonstranten festgenommen. Wir bekommen aber kaum etwas mit davon, erst später aus der Presse. Es macht mich wütend, dass ein paar Chaoten und unschuldig Festgenommene spannender sind, als 100′000, die ein globales Problem aufzeigen.

Dann die grosse Logistikaufgabe: Wie bringe ich 100′000 verfrorene und hungrige Leute zurück in die Stadt? Variante 1: 1 Stunde zurück laufen, Variante 2: mit etwa 99′000 anderen auf die Metro warten.

Am Sonntag dann wieder viel Sirenengeheul, Hubschrauber aber kein Demonstrant in Sicht. Und die grosse Frage bleibt: Kommt ein verbindliches Abkommen zu Stande? Die Zeichen stehen nicht sehr gut, obwohl es höchste Zeit ist, dass sich die Industrieländer aufraffen und ernsthafte Massnahmen ergreifen. Für Wischiwaschi ist es zu spät!

Aber immerhin: Das Thema ist da, die Welt spricht über Kopenhagen und wartet auf ein Resultat. Hoffen wir das Beste und nehmen wir die Grossen beim Wort! Act now!