Braucht Basel ein Ozeanium?

18.02.2011

Der grosse Rat hat am Mittwoch mit der Zonenplanänderung auf der Heuwaag die Voraussetzung für einen Neubau auf der Heuwaage geschaffen. Der Zolli plant dort nun ein Ozeanium.

Braucht es in Basel ein Ozeanium?

Der Zolli meint ja, weil das nächste 500 km entfernt liegt. Das Ozeanium soll die Schweizer Bevölkerung für die aktuellen Probleme in den Meeren sensibilisieren. Das ist tatsächlich nötig, denn es geht den Meeren und ihren Bewohnern schlecht. Wie sich ein angeblicher Lerneffekt auswirken soll, darüber schweigt sich der Zolli aus. Vielleicht wird es die Besucher animieren, selbst ein Aquarium zu kaufen, weil die farbigen Fische einfach lustig aussehen. Dies zeigte zum Beispiel der Film über den kleinen Anemonenfisch „Nemo“: Die Verkäufe von Anemonenfischen stiegen dermassen an, dass Kampagnen gestartet werden mussten, damit die Fische, wenn sie ihre Attraktivität verloren hatten, nicht in der Toilette entsorgt wurden.


Haltung von Korallenfischen problematisch

Das Ozeanium will die verschiedenen Lebensräume der Meere zeigen, so auch die Korallenriffe. Die Haltung von Korallenfischen ist jedoch alles andere als unproblematisch. Sind Sie bereit für einen Fisch, den Sie im Ozeanium sehen, eine Vielzahl Toter (bis 80% Mortalität) in Kauf zu nehmen? Die meisten der gefangenen Korallenfische verenden und werden nie ein Aquarium von innen sehen. Dazu kommt, dass von den 1500 gehandelten Korallenfisch-Arten nur knapp 1% gezüchtet werden können, also muss auch der Zolli diese aus der Wildnis beschaffen. Diese Tatsache ändert auch der Wille des Zollis nicht, grössten Wert auf beste Tierhaltung zu legen.

In den zwei grössten Exportländern, Indonesien und Philippinen, ist es an der Tagesordnung, die Fische beim Fang mit Giften wie Cyanid zu betäuben und dabei nicht nur viele andere Fische, sondern auch Korallen und wirbellose Tiere, zu töten. Bevorzugt werden junge und männliche Fische; die Jungen, weil sie kleiner und damit  billiger im Transport, die Männchen, weil sie farbiger sind. Dies schwächt das Sozialgefüge im Korallenriff. Nach Schätzungen der UNEP, des Umweltorgans der UNO, wissen über 80 % der Importeure nicht genau woher ihre Fische stammen, geschweige denn wie sie gefischt wurden.


Korallenriffe vom Aussterben bedroht

Korallenriffe werden als Regenwälder der Meere bezeichnet. 4000 Fischarten, ein Drittel aller bekannten Fischarten, rund 800 riffbildende Korallen und zig andere Wirbellose und Schwämme leben dort. Gemäss der IUCN (World Conservation Union) sind ein Drittel aller Korallenriffe der Welt vom Aussterben bedroht; in Südostasien, wo die meisten Korallenfische herkommen, sind es sogar 88%. Die Korallen werden mit Brechstange und Meissel herausgebrochen. Schonend mit den Ressourcen umgehen zu wollen bleiben hehre Ziele.


Sensibilisieren ja - aber für unsere einheimischen Lebensräume

Nach dem UNO Jahr der Biodiversität 2010 würde sich statt eines Ozeaniums die Sensibilisierung der Bevölkerung für die Tierwelt vor der eigenen Haustüre anbieten. Die Porträtierung der einheimischen Flussfauna entlang des Rheins bis zum Meer hätte sicherlich mehr Wirkung. Die Fische, die in der Birsig und im Rhein leben, der Biber, der zurück gekommen ist, der Lachs, der vor Basel schwimmt – für sie sollte die Basler Bevölkerung ebenfalls sensibilisiert werden. Hier könnte der Zolli eine führende und wichtige Rolle übernehmen.

Monica Biondo, Meeresbiologin

& Mirjam Ballmer, Grossrätin Grüne

Gastbeitrag erschienen in der Basler Zeitung vom 10. Februar 2011
Antwort des Zoos Basel mit Replik hier Grossratsbeschluss hier
Weitere Infos zum Thema unter www.korallenriffe.ch


Nachtrag:

Auf diesen Artikel hin hat der Zoo Basel uns zum Gespräch eingeladen. Dort wurde uns dargelegt, dass im Ozeanium vorgesehen ist, die von uns geforderten Aspekte der lokalen Vernetzung zum Meer, der persönlichen Handlungsmöglichkeiten und der Sensibilisierung für die Problematik zu thematisieren. Ich bin gespannt auf das innovative Konzept, das uns der Zolli vorlegen wird und würde mich freuen, wenn diese Themen ebenso wie der Hai oder die Riesenkrake in die Öffentlichkeit getragen würden.