Intelligent kleckern statt klotzen

30.08.2014

In seinem Kommentar hat bz-Redaktionsleiter Nicolas Drechsler vorgestern die Haltung der Grünen bei der Abstimmung um die Stadtrandverbauungen kritisiert. Eine Entgegnung.

ngenuIn seinem Kommentar hat bz-Redaktionsleiter Nicolas Drechsler die Haltung der Grünen bei der Abstimmung um die Stadtrandverbauungen kritisiert. Dabei lässt er sich dazu verleiten, sie als grün-braune Suppe zu bezeichnen und mit den Ecopop-Initianten zu vergleichen. Offenbar hat er sich mit den Argumenten der Grünen bisher nicht auseinandergesetzt. Die Stadtrandverbauungen im Osten und Süden der Stadt versprechen viel, werden aber wenig davon einlösen. Es ist eine Illusion zu glauben, der kleine bauliche Fussabdruck der Hochhäuser würde mehr Raum für alle bringen. Auch Wohntürme versiegeln Grünräume endgültig und eine Siedlung für zweitausend Personen braucht zwangsläufig einiges an neuer Infrastruktur. Der versprochene Naturpark ist eine schöne Vision, doch in der Umsetzung kaum so idyllisch. Hat jemand schon mal im Vorgarten eines Hochhauses eine wilde Hecke gesehen? Ob der Gartenrotschwanz und andere Tiere und Pflanzen neben den zweitausend Einwohnern noch Platz finden, ist mehr als fraglich.

Keine grüne Stadtentwicklung

Auf dem Bruderholz soll dafür teurer Wohnraum für 250 Personen geschaffen werden. Die paar Hektaren Landwirtschaftsland könnte man noch verkraften. Doch dass die Wohnungen kaum an den öV angeschlossen sein werden und der Stadtrand völlig ignoriert wird, widerspricht der Philosophie des neuen Raumplanungsgesetzes vollständig. Die Grünen haben deshalb im Parlament dafür gekämpft, dass nicht eine Hochhaus-Siedlung im Stile der 60er Jahre entsteht, sondern eine massvolle Teilerschliessung im Bereich des Rankhofs angestrebt wird. Dies hätte verschiedene Vorteile: Dass die dazugehörige Infrastruktur nicht über eine grosse Fläche verzettelt wird, dass die Bebauung höchsten ökologischen Standards genügen kann, der Natur genügend Raum gelassen würde und die Siedlungsgrenze gewahrt wird.


Ungenutztes Potential

Die Lösung für den Mangel an preiswertem Wohnraum liegt viel näher: Selbst die Regierung hat ein ungenutztes Potenzial von möglichen Wohnungen innerhalb des Stadtgebiets für mindestens 8000 Personen ausgewiesen. Mindestens 50 Prozent der aktuell leerstehenden Büroräumlichkeiten könnten zudem gemäss einer Studie zu Wohnungen umfunktioniert werden. Mit einer Vereinfachung der Baugesetze wären Ausbauten in den bestehenden Zonen möglich. Warum Basel nicht zuerst auf dieses Potenzial setzt und den Grünraum in Stadtnähe für die zukünftigen Generationen erhält, kann ich nicht nachvollziehen. Diese inhaltlichen und unpolemischen Argumente sollten auch von Befürwortern der Stadtrandverbauungen zur Kenntnis genommen werden. Man kann anderer Meinung sein, aber uns eine Verbrüderung mit fremdenfeindlichen Kreisen zu unterstellen, ist reine Polemik. Man könnte ebenso sagen, aus Angst vor der Wohnungsnot einfach in die Fläche zu bauen, statt intelligentes Flächenmanagement innerhalb der Stadt zu betreiben, ist keine zukunftsgerichtete und nachhaltige Lösung.