Ein neuer Maya-Kalender

09.01.2013

Der Basler Kommentar über Errungenschaften des abgelaufenen Jahres und die Aussichten auf 2013. Kolumne in der bz vom 9. Januar 2013

Wie viel Mal wurde Ihnen im 2013 schon «e guets Neus» gewünscht? Dankbar für die guten Wünsche, frage ich mich jedes Mal, wenn ich Zeit dazu habe, was eigentlich ein gutes Jahr heisst. Und ich überlege, ob das letzte Jahr gut war. Gerade zum Zeitpunkt, für den das Volk der Maya das Ende eines Zyklus – quasi ihren Millenniumswechsel – und den Beginn einer neuen Phase prognostiziert haben, ist es Zeit für ein Fazit und den Ausblick auf 2013. Oder auch Zeit, sich Gedanken darüber zu machen, was für eine neue Zeit denn anbrechen sollte.

2012 war kein Jahr der grossen Ereignisse in der Basler Politik. Begonnen hat es mit dem Ende einer historischen Tradition im Grossen Rat: Abstimmungen per Handerheben. Der Umstieg auf ein elektronisches Abstimmungssystem hat zwar keine politische Relevanz aber eine demokratische. Neu können Sie das individuelle Abstimmungsverhalten jedes Parlamentsmitglieds für jedes Geschäft nachlesen. Damit ist der Basler Grosse Rat zwar nicht gerade ein Pionier, aber immerhin dem Ständerat einen Schritt voraus. Schon bald im 2012 spürte man die Wahlen. Die prekäre Sicherheitssituation wurde zum Hauptproblem der Stadt erkoren. Zukunftsträchtige Themen wie der Umgang mit unseren natürlichen Ressourcen, die Frage, ob wir immer weiterwachsen können oder die Auswirkungen des Klimawandels auf unser Leben waren in der öffentlichen Debatte kaum relevant, obwohl beispielsweise die Eurokrise durchaus Anlass dazu hätte geben können.

Auch kleine Erfolge sind Erfolge

Auch kleine Erfolge sollen geehrt werden. Einer, der mir speziell blieb, ist die Schneeräumung auf Basels Strassen. Erstmals, seit mein Fahrrad hier rollt, wurden die Schneemassen nicht auf die Velostreifen geschaufelt, um freie Fahrt für die Autos zu ermöglichen. Die Zeit der Schnee pflügenden Velos ist in Basel somit hoffentlich endgültig zu Ende.

Einen krönenden Abschluss fand das 2012 hingegen: Basel und die Grünen durften zum Jahresende sozusagen das neue Maya-Zeitalter einläuten. Maya Graf darf das Amt der Nationalratspräsidentin bekleiden. Ein eindeutiges Zeichen dafür, dass der Maya-Kalender nicht zu Ende sein kann. Eine neue Epoche bricht damit zwar nicht gerade an. Doch ist dieses Amt immerhin Symbol dafür, dass die Grünen eine ernst zu nehmende Kraft in der Schweizer Politiklandschaft geworden sind. Eine Kraft, die sich Gedanken über die Zukunft unseres Landes macht und dafür positive Modelle entwickelt.

Wird alles gut?

Schauen wir in die Zukunft, so gibt es für mich eine Vision: global verantwortungsbewusstes Leben jedes Einzelnen, sorgsamer Umgang mit der Umwelt, die vollständige Umstellung auf erneuerbare Energien. Nun kommt etwas Schwung in diese Diskussion. Denn in der «Basler Zeitung» vom Montag war ein überraschender Satz zu lesen: «Die gefährlichsten Sozialromantiker sind diejenigen, die nach wie vor ungebremst an den Wachstumswahn von gestern glauben.» Im Artikel «Überraschende Töne von rechts» werden bürgerliche Politiker zitiert, die beginnen, das Wachstum zu hinterfragen. Meinten die Mayas das mit ihrer Prophezeiung?

Das Jahr beginnt also gut und verspricht spannend zu werden. Bleiben wir unseren Visionen treu und arbeiten wir darauf hin, dass die Neujahrswünsche wahr werden. «E guets Neus!»